18. Amadè Radmarathon

Stark gefahren, aber falsch taktiert

Nebel am MorgenAls gegen 6 Uhr der Wecker klingelte und danach der erste Blick nach draussen ging, war nicht viel zu sehen, außer dicker Nebel. Pünktlich zum Start jedoch blinzelten die ersten Sonnenstrahlen zwischen der Wolkendecke hervor und dann gab es diesen witzigen Zufall. Da reist man nichts ahnend mehrere hundert Kilometer nach Österreich zum Radmarathon, bei dem knapp 1500 Radler starten, steht in der Früh auf dem Balkon, der auch zum Nachbarzimmer gehört und wundert sich über eine bekannt vorkommende Stimme und siehe da, im Zimmer nebenan nächtigte unser ehemaliger Teamkollege Marcel. Ein erfreuliches Zusammentreffen.

Start 7:30 Uhr. Zum Warmfahren blieb keine Zeit. Schon kurz nach dem Start warteten die 2 schwersten Anstiege des Tages, erst hinauf nach Forstau und darauffolgend der härteste nach Ramsau. Durch diesen Beginn zog sich das Feld schnell auseinander und einzelne Gruppen bildeten sich. Gerhard, der als Ersatz für Jens einsprang, erlebte an eben diesem 2.Anstieg schon ein erstes Unheil, als er von einem anderen Rennradler von der Fahrbahn gedrängt wurde.
Nebel am MorgenGerhard:„Es war ein relativ großer Pulk, als mein Nebenmann kurz vor der Kuppe in den Wiegetritt ging, dabei nach rechts zog und mich in den Graben drückte. Der Zeitverlust hielt sich zwar in Grenzen, aber ärgerlich war es dennoch, da ich den Anschluß verloren hatte. Ab da plagten mich zudem kleinere Probleme mit der Schaltung.“

Nebel am MorgenNach 47 km kam es zur Streckenteilung zwischen der kurzen und der langen Distanz und hier hatte Micha Pech.
Micha:„Ich war in einer super Gruppe unterwegs. Dann kamen Schilder für die Streckenteilung. Die betreffende Kreuzung war eher unscheinbar oder vielleicht hab ich auch einfach geschlafen. Jedenfalls fuhren vor mir alle geradeaus, aber irgendwie hatte ich ein komisches Gefühl. Umgedreht: Keiner mehr da! Schnell bei den Vorderleuten nachgefragt und bekam als enttäuschende Antwort: „Das ist die kurze Route!-Mist! Also Kehrtwende. Viel Zeit hat’s ja nicht wirklich gekostet, aber die Gruppe war halt weg.“

Auf dem Weg nach St.Martin bildete sich erneut ein kleiner Pulk um Micha, mit dem er sogar einige seiner frühen Mitstreiter wieder einholte. Von da an lief es für ihn relativ unspektakulär. Nach dem Umkehrpunkt in Scheffau stand der Rückweg hinauf nach St.Martin an und das sollte an diesem Tag der Knackpunkt für unsere beiden Fahrer werden.

Nach dem Wendepunkt folgte kurz darauf eine kleine, aber feine Rampe. Gerhard, der sich mit viel Einsatz an eine Gruppe rangefahren hatte, leistete gerade Führungsarbeit, als eine Radlerin eine Attacke fuhr, der noch ein Radler folgte.
Nebel am MorgenGerhard:„Vielleicht hab ich das zuerst nicht ganz ernst genommen. Zumindest hab ich zu lang gewartet. Ich bin einfach zu spät losgestiefelt. Ich hätte sofort mitgehen sollen, so aber war schon ein Loch auf und das konnte ich allein einfach nicht mehr zufahren. Da war nix mehr zu machen. Da hätte ich mir in den Arsch beissen können. Vorallem hab ich beim Versuch die Lücke zu schließen viele Körner verloren. Da bin ich total verhungert. Der Rest entwickelte sich dann zum Überlebenskampf ins Ziel.“

Wenige Kilometer vor St.Martin erlebte dann auch Micha sein Waterloo.
Micha:„An dieser Steigung konnte ich den Anschluss an meine Gruppe einfach nicht mehr halten. Den Versuch im Wiegetritt gab’s zwar noch, aber den hab ich dann abgebrochen, weil ich da kurz davor war zu explodieren. Dann bin ich einfach mein Ding gefahren.“

In Abtenau bei Kilometer 100 stoppten unsere Jungs dann erstmals um nachzutanken. Die Kids an dem Verpflegungsstand waren richtig toll motiviert und füllten die Flaschen in Windeseile auf, damit kein Fahrer zuviel Zeit verlor.

Nebel am MorgenMit 3 Mitstreitern kämpfte sich Micha dann in Richtung St.Johann, wo der letzte harte Anstieg des Tages wartete.
Micha:„War echt witzig zu sehen, wie keiner von uns Vieren mehr den Punch hatte, lange Führungsarbeit zu leisten. Ständiges Wechseln war angesagt.“

In St.Johann angekommen, plötzlich ein schmerzverzerrtes Gesicht bei unserem „Teamchef“.
Micha:„Pünktlich am Fuße der Steigung ein herrlicher Krampf im Oberschenkel. Musste rausnehmen und fiel ans Ende der mittlerweile ca.15köpfigen Gruppe zurück. Dann kam die letzte Labestation und alle, bis auf einen vor mir, bogen ab. Da es hier wieder schmerzfrei ging, fuhr ich mit der weltberühmten „Leck-mich-am Arsch-Mentalität“ weiter und schenkte mir den Stopp. Nebel am Morgen Am Gipfel, den anderen hatte ich noch hinter mir lassen können, wurde mir aber leider bewusst, das sich in der Trinkflasche nur noch etwa ne Schnapsglasfüllung befand. Na toll und unterm Helm war schon Sauna!
Die letzten 20 Kilometer war ich dann so platt, das ich noch einige Plätze verlor und mit absolut keiner Gruppe mehr mitgehen konnte. Im Ziel überfiel ich dann umgehend den Verpflegungsstand.
Nebel am MorgenRückblickend bin ich zufrieden, doch ich hätte mir das Rennen etwas besser einteilen können, die 5 Stunden 30 Minuten sind nächstes Jahr fällig!“

Gerhard:„Bis zur Mitte lief es echt gut und das passte ganz gut. Aber die zweite Hälfte war echt Sch…! (Weitere verbale Entgleisungen nach der Zieleinfahrt verstoßen gegen den Jugendschutz und können deshalb nicht wiedergegeben werden. Anmerk.d.Redaktion) Da hab ich mich sinnlos leer gefahren, bei dem Versuch an die Ausreißer wieder ranzukommen. Mit etwas Abstand betrachtet, wars ok, die Zeit hätte ich ja auch nicht so vorher erwartet. Aber beim nächsten Marathon, dem Engadin (211km/3827hm) wünsch ich Micha viel Spass! Ich bin doch nicht bescheuert!“

Wir werden sehen…

amade2011
kurz zusammengefasst:

    • Streckenlänge: 176 km
    • Höhenmeter: 2490m
    • max.Steigung: 13%
    • Micha:
    • Durchschnittsgeschwindigkeit: 30,86 km/h
    • offizielle Fahrzeit: 5h:42min:08sec
    • Platz 126 von 220 (Altersklasse)
    • Platz 185 von 388 (Gesamt)
    • Gesamtwertung Alpencup: Platz 44 (nach 1 von 3 Marathons)
    • Gerhard:
    • Durchschnittsgeschwindigkeit: 27,84 km/h
    • offizielle Fahrzeit: 6h:19min:16sec
    • Platz 189 von 220 (Altersklasse)
    • Platz 307 von 388 (Gesamt)