TdG 2014 – 3.Etappe

Königsetappe „auf Kante genäht“

images_news_2014_tag3_7 Nach der Regenpartie am Vortag gingen die Blicke ängstlich gen Himmel in der Hoffnung auf Besserung. Doch es sollte noch schlimmer kommen…
Der Hammer erfolgt schon zum Frühstück, war aber zu erwarten: Flipp in Zivil.
Flipp:„Ich hab den Wetterbericht sehr genau betrachtet und somit war für mich klar, heute fahr ich Auto. Zwar schade, aber das tu ich mir nicht an.“
Er sollte später Gesellschaft bekommen. Doch eins nach dem anderen.

images_news_2014_tag3_5 Damit alle gleich wussten woran sie sind, setzte pünktlich zum Start leichter Nieselregen ein. Der wurde noch stärker und hielt bis in den Einstieg zum Col du Telegraphe. Hier gönnte sich Petrus eine Pause.
Damit unserem Team aber nicht langweilig wurde, löste die Defekthexe den Gott des Wetters ab. Bei Kilometer 19 ereilte Corky ein Plattfuss. Der erste und wirklich und wahrhaftig auch der einzige während der Tour de Grandes Alpes 2014. Somit hiess es erstmal absteigen und das Dilemma beseitigen. Micha stoppte mit Corky, um den defekten Schlauch zu ersetzen, während Gerhard weiter nach oben kurbelte. Schnell war aber auch bei den beiden das Problem behoben und der löchrige Gummi ausgewechselt und weiter ging es Richtung Gipfel.
Je näher man diesem kam, umso dichter wurde der Nebel und der Regen wieder stärker.
Zum ersten Mal gab es an einem Pass in regelmäßigen Abständen Abfallcontainer für Radfahrer, um sich des leidigen Verpackungsmülls der Riegel und Gels zu entledigen. Eine echt gute Erfindung wie wir finden.
Oben angekommen erwartete unsere Jungs nicht gerade die einladenste Kulisse, das Wetter war einfach schrecklich. Gerhard, der ja beim Defekt weitergefahren war und deshalb zuerst die Kuppe überquerte, fragte die beiden Autofahrer Claudi und Flipp sehnsüchtig nach einem Stück Zeitung für unters Trikot, aber leider konnten sie nicht damit dienen. Corky und Micha legten dort einen kurzen Stopp ein, um die Taschen noch mit etwas Proviant zu füllen und natürlich das Gipfelfoto zu schiessen. Leider war Gerhard schon weitergehfahren, aber zum Warten war es auch ziemlich kalt.
images_news_2014_tag3_6 Nun war wieder erhöhte Vorsicht geboten, auf der regennassen Abfahrt nach Valloire. Die 1200-Seelen Gemeinde, deren Ortskern vom Fluss Valloirette gekreuzt wird, war dann auch der Startpunkt für den Anstieg zum Mythos, Col du Galibier!
Zum Leidwesen der 3 Pedaleure setzte jetzt erneut stärkerer Regen ein. Dass die Radllust nicht absolut in den Keller sank, dafür sorgte zum einen die atemberaubende Naturkulisse, sofern sie bei dem Mistwetter zu sehen war, und zum anderen der magische Name dieses so berühmten Passes. Zudem waren tatsächlich noch andere Radler bei dem Sauwetter unterwegs und kämpften sich Meter für Meter den Berg hinauf.
Flipp:„Zugegeben, den Galibier auszulassen und mit Claudi im Auto den Tag zu absolvieren wurmte mich schon, aber bei den Bedingungen wollte ich wirklich nicht mit einem auf dem Rad tauschen.“
Auf dem Weg zum Schlußanstieg ab dem Abzweig des Auto-Tunnels, wurde man mit einem blauen Loch am Himmel belohnt und sogar die Sonne lugte etwas daraus hervor. Als es jedoch in die letzte Rampe ging, die mit hohen Steigungsprozenten, die letzte Power aus den Beinen quetschen wollte, wurden die 3, die sich mittlerweile wieder zusammengeschlossen hatten, von dichtem Nebel umhüllt. Die Außentemperaturen lagen hier bei 2-3 °C !! images_news_2014_tag3_4 Trotz aller Widrigkeiten erreichten alle die Passhöhe. Gerhard der völlig unterkühlt mit den klimatischen Bedingungen haderte, entschloss sich hier, auch in Anbetracht der anstehenden nasskalten Abfahrt, zu einem Umstieg ins Servicefahrzeug. Da waren es noch zwei.
Doch auch Corky und Micha froren am ganzen Leib und da der Teamneuling meinte, dass nach einem Stückchen Abfahrt ein Cafe auftauchen müsste, entschloss man sich ohne großes Zögern zur Weiterfahrt. Kurz jedoch fuhr allen der Schreck in die Glieder, der Autoschlüssel war weg. Prima. 2,5°C, Nebel, Fahrer durchgefroren, mitten in den französischen Alpen auf über 2600m Höhe und wo ist der Schlüssel? Nachdem der Puls kurz panikartig nach oben schnellte, fand sich das vermisste Utensil doch wieder an und man konnte das kurze Stück der spektakulären Abfahrt bis zum Cafe in Angriff nehmen.
Da angekommen, hiess es erstmal raus aus den nassen Klamotten und Wärme tanken. Kein Problem, das Bicycletrip-Team waren die einzigen Gäste. Dann machte sich ein bißchen Enttäuschung breit. Das erwartet leckere Sandwich stellte sich leider als trockenes Baguette mit einer Scheibe Schinken und einer Scheibe Käse heraus und das für satte 5 Euronen. Der Wirt hingegen schien völlig von seinem Geschäft überzeugt, auch wenn er in einer Diskussion Team-Captain Micha nicht überzeugen konnte, das Kakteen(!?) auf das Souvenir-Trikot des Col du Galibier passen.
images_news_2014_tag3_3 Während der unglaublich kalten Abfahrt verstärken sich derweil Corkys Knieprobleme, die zwar schon länger bestehen, bei so niedrigen Temperaturen jedoch ungleich intensiver auftreten. Nun gibt es bei unserem Teamjüngsten erste Überlegungen auf Alpe d’Huez zu verzichten. Sollte es tatsächlich dazu kommen, dass Micha allein die Etappe zu Ende fährt? Würde er auch noch aussteigen?
Irgendwo zwischen La Grave und La Freney d’Oisans auf einem Parkplatz dann der letzte Stopp vor dem Heiligtum des Radsports. Corkys Bedenken schienen weniger zu werden. Also wurden nochmals die Flaschen betankt, etwas Energieverpflegung eingesteckt und los gings.
Mit jedem Kilometer der, immer noch langen, Anfahrt bis zum Anstieg verpuffte die Skepsis ob der Gelenkproblematik. Das Duo blieb also beisammen.

Dann war es soweit: die berüchtigten 21 Kehren türmten sich vor unseren Jungs auf. Was soll man sagen. Schön ist anders. images_news_2014_tag3_2 Da schlängelt sich eine autobahnartige große Strasse mit viel Verkehr den Berg hinauf und gibt Gelegenheit gepflegt etwas Kohlenmonoxid und Rußpartikel der vorbeirauschenden Lkws einzuatmen.
Und dennoch. Geil ist es trotzdem und der Mythos lebt, denn man radelt bei weitem nicht allein, sondern ist umgeben von einer Menge Rennradfahrer, die alle wohl mal auf den Spuren der Tour de France-Helden unterwegs sein wollen. Na gut, dass unsere beiden sich oben dann noch einen Zielsprint über mehrere Kurven geben, stellt sicher die Beklopptheit der zwei besonders heraus. Dafür ernteten sie aber auch anerkennendes Schulterklopfen der Teamkollegen.
Langsam ging der Nachmittag zur Neige, aber es folgte ja nur noch der Col de Sarenne bis zur Unterkunft… nur noch…

Der Weg über den Sarenne erwies sich als absolute Katastrophe für Rennradfahrer. Brutal schlechte Strasse, die Abfahrt auf der anderen Seite kurzgesagt lebensgefährlich (siehe Internet-Video unten, bei dem es im Gegensatz zu unserer Fahrt sogar sonnig und trocken war), dazu kaltes, nasses Wetter und zu guter Letzt meldete sich der Hungerast.

Corky:„Wenn das Auto in der Nähe gewesen wäre, wäre ich sicher eingestiegen!“
Micha:„Der Spass war echt am Ende. Wir haben uns dann brüderlich den letzten Energieriegel geteilt. War aber letztendlich mehr Krampf als Kampf. Wie man die Tour de France im Renntempo über den Sarenne schicken kann, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Die Abfahrt war der größte Schwachsinn seit langem, aber aufgeben ist halt nicht…!“
Claudi, Gerhard und Flipp empfingen zwei erbärmlich dreinschauende Figuren auf der Passhöhe, die der Verzweiflung nahe alles in sich stopften, was das Service-Car hergab, bevor zum Abschluss die besagte gefährliche Abfahrt folgte.
images_news_2014_tag3_1 Am Ende des Tages gab es dann die verdiente Belohnung in Form des traumhaften Auberge du Savel. Zwar wäre man vor Ort ohne Dolmetscher aufgeschmissen gewesen, aber aufgrund der Gastfreundschaft waren eh alle sprachlos. Das Abendessen in Form von Schinken am Minispiess über Feuer gegrillt (vom Team liebevoll „Murmeltier am Spiess“ genannt) setzte dem ganzen dann die Krone auf und die zwei Überlebenden des Tages gönnten sich zur feier des Tages ein Gläschen Bier. Danach trat erstaunlich schnell die Nachtruhe ein. Was auch daran lag, das der quasi knappe Zeitplan bei dieser Königsetappe „ziemlich auf Kante genäht“ war, wie Flipp treffend titelte.

kurz zusammengefasst:

  • Streckenlänge: 129 km
  • Höhenmeter: 3880 m
  • max.Steigung: 12%
  • Zeiten und Geschwindigkeiten gibt es leider erneut keine, da sämtliche Elektronik im Regen den Geist aufgab